Das MÜHLE-ABC

A wie Aufschäumen

Erster Schritt jeder Rasur ist das Aufschäumen. Die Utensilien dazu: der Rasierpinsel und die Rasierseife oder die Rasiercreme. Aufgeschäumt wird, um das Barthaar aufzuweichen. Barthaare sind nämlich genauso widerspenstig wie Kupferdraht in gleicher Stärke.
Barbiere wissen: Gut geseift ist halb rasiert. Ist das Haar weich, kann es die Klinge schneiden, ohne daran zu zupfen, was zu Entzündungen führen kann. Außerdem quillt beim Aufschäumen die Haut auf, die Poren werden weiter, das Barthaar länger, es kann tiefer abgeschnitten werden.

Die Seife oder Creme sollte langsam in kreisenden Bewegungen auf das Gesicht aufgetragen werden - das stimuliert und reinigt Haut und Haar. Eine Wirkung, die fertiger Schaum oder Gel nicht haben. 

B wie Barbier

Schon im alten Rom war das Handwerk des Barbiers verbreitet. Die versierten Handwerker pflegten nicht nur Haar und Bart, sie waren auch stets gut informiert. Noch Thomas Buddenbrook, Hauptfigur in Thomas Manns nobelpreisgekröntem Roman, erfuhr jeden Morgen politische Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch von Barbier Wenzel, "der nur in den ersten Kreisen rasierte".
Im Mittelalter übernahmen die Bartscherer auch die medizinische Grundversorgung, sie ließen zur Ader, versorgten Wunden und zogen schmerzende Zähne.

Mit der Professionalisierung des medizinischen Systems und vor allem mit der Erfindung von Einweg- und elektrischen Rasierern verschwanden - zumindest in der westlichen Welt - die Barbier-Salons aus dem Stadtbild. Mit der neu erwachten Liebe zur gepflegten Gesichtsbehaarung sind sie in den letzten Jahren zurückgekehrt. 

C wie Chrom

Chrom ist gefragt, nicht nur im Erzgebirge, wo MÜHLE seit über 75 Jahren Rasierprodukte produziert. Die harte, widerstandsfähige und vor allem rostfreie galvanische Beschichtung ist elegant ohne protzig zu sein, lässt sich gut säubern und ist, ganz im Gegensatz zum Materialkonkurrenten Nickel, nicht gesundheitsschädlich. Deshalb kommt sie auch im Badezimmer zum Einsatz: Von Wasserhähnen bis Armaturen ? Im Badezimmer setzt man heute auf Chrom.
Fast jedes MÜHLE-Produkt ist mit einem verchromten Teil ausgestattet, sei es der Kopf beim Hobel oder der Fuß beim Pinsel. Die große Herausforderung: Hersteller zu finden, die den ästhetischen Vorstellungen der MÜHLE-Macher entsprechend verchromen. Einen Partner gibt es, aufgespürt im sächsischen Vogtland. Wer der Könner ist, bleibt selbstverständlich strengstes Firmengeheimnis.

D wie Dachshaar

"Meister Grimbart", wie der Dachs in Fabeln und Märchen heißt, ist ein marderartiges Raubtier, das mit seinen schaufelartigen Pfoten kunstvolle unterirdische Gänge anlegt. Für Anhänger der Nassrasur ist das Tier seines Felles wegen interessant. Das Haar ist fein und elastisch und produziert einen cremigen und dichten Schaum.
Die Qualität des Haares steigt vom dunkelgrauen über das feine helle Dachshaar bis zum so genannten Silberspitzen-Dachshaar. Bei sorgfältiger Pflege - die Pinsel sollten immer gut ausgewaschen und getrocknet werden - hat man an einem Dachshaarpinsel viele Jahre Freude. Alternativ hat MÜHLE gemeinsam mit einem Lieferanten die Black Fibre und Silvertip Fibre Pinsel entwickelt - zwei synthetische Fasern, die die Gebrauchseigenschaften des Naturhaares mittlerweile sogar übertreffen.

E wie Elektrorasierer

Vor der Besprechung holt der dynamische Manager noch schnell das futuristisch anmutende Gerät aus der Schreibtischschublade und befreit die Wangen vom Bartschatten. So sah Fortschritt 1967 aus, zumindest wenn man der Werbung glaubt. Der Anteil der Männer, die sich elektrisch rasierten, wuchs von 20 Prozent im Jahr 1957 auf über 60 Prozent Ende der 1960er-Jahre. Vorangegangen waren Jahrzehnte der Tüftelei, die allerlei unbrauchbare Gerätschaften hervorgebracht hatte.

Der Mann, der der elektrischen Rasur zum Durchbruch verhalf, war der Amerikaner Jacob Schick. Als ihm beim Goldschürfen in Alaska das Wasser einfror, das er für die Rasur brauchte, erfand er einen motorbetriebenen Scherkopf, mit dem er den amerikanischen Markt eroberte. In Deutschland tat das die Firma Braun, die 1950 mit der Serienfertigung des Trockenrasierers begann. Nass oder trocken ist heute weniger eine Frage des Fortschrittsglaubens, sondern eher der persönlichen Vorlieben. Hauptsache das Ergebnis stimmt. Eine Studie fand heraus, dass Männer bei einer Verabredung Bartinseln im Gesicht peinlicher finden als ungeputzte Schuhe.
 

F wie Fibre

Fibre sind synthetische Polymerfasern für Rasierpinsel. Die Fasern werden eingefärbt, so dass sie Naturhaar täuschend ähneln. Dennoch sind sie alles andere als billige Imitate: Die insgesamt sieben verschiedenen Faserarten verleihen einem Mühle-Fibre-Pinsel perfekte Eigenschaften. Die Spitzen sind weich, dennoch hat der Pinsel ein festes Rückgrat und klappt im nassen Zustand nicht auf. Er ist pflegeleicht und Seifenreste machen ihm nichts aus. Bei Mühle wird Tradition wertgeschätzt. Dennoch gibt man sich nicht damit zufrieden, Dinge so zu machen, wie man sie immer gemacht hat. Mit den Fibre-Pinseln wurde eine echte Alternative zu den klassischen Dachshaar-Pinseln geschaffen, die nicht nur für Veganer interessant ist. Auch wer viel unterwegs ist, freut sich: Im Gegensatz zum Naturhaarpinsel verzeiht es ein Fibrepinsel, wenn er mal nass in den Waschbeutel gepackt wird.
 

G wie Gesichtsrasur

Was als attraktiv gilt, wird immer wieder neu verhandelt und so folgen in Bezug auf das männliche Gesicht glatte Phasen den haarigen und umgekehrt. Auch die Vorstellung, was als glatt gilt, hat sich interessanterweise gewandelt. Im Mittelalter waren sechs Rasuren im Jahr genug und noch Ende des 19. Jahrhunderts galt man mit einer Rasur pro Woche als perfekt rasiert. Erst seit Männer sich dank der Erfindung von Rasierapparaten selbst versorgen, ist die tägliche Rasur üblich. Während die Gesichtsrasur eine Männerdomäne ist, sind mit der Enthaarung des Körpers eher die Frauen beschäftigt. Und die haben zunehmend weniger Lust auf umweltfeindliche Plastikungetüme. Die Engländerinnen machen es vor: Längst überlassen sie stilvolles Rasierwerkzeug nicht mehr ihren Gatten. Gleichberechtigung ist angesagt – auch in Bezug auf stilvolle Rasierwerkzeuge.

H wie Haarspitzen

Nicht nur für eine gelungene Frisur, auch für eine gelungene Rasur ist die Qualität der Haarspitzen von besonderer Bedeutung. Lange Zeit galt der Silberhaardachszupf als optimale Haarqualität für einen hochwertigen Rasierpinsel. Das Dachshaar läuft von Natur aus spitz zu, das heißt, dass die Haar-spitzen fein und weich sind, der Haaransatz dagegen fester. Damit diese Haarqualität im Rasierpinsel zum Tragen kommt, ist es wichtig, dass bei der Aufbereitung der Haare und bei der Fertigung des Pinsels dafür gesorgt wird, dass alle Haare richtig ausgerichtet sind und die Form stimmt. Müsste der Pinsel nach der Fertigung nämlich beschnitten werden, um die ideale Form zu erhalten, gingen damit auch die feinen Spitzen verloren.

Noch besser wird die Qualität mit synthetischen Haaren. Hier ist der Unterschied zwischen feinen, streichelweichen Spitzen und stabilem Ansatz noch größer. Daher werden bei der Fertigung einzelne Haare, die eventuell verkehrt herum eingebunden wurden, mit der Pinzette entfernt, sonst würde der Pinsel immer an einer Stelle pieksen.

I wie Initiation

Beschneidung, Tätowierung, kirchliche Weihe – weltweit ist es in unterschiedlichen Kulturen üblich, die Aufnahme des jungen Mannes in den Kreis der Erwachsenen durch ein feierliches Ritual zu vollziehen. Manchmal dient die erste Rasur als ein solches Übergangsritual vom Kind zum Mann. „Keshanta“ heißt es bei den Hindus, „Barbatoria“ hieß es im alten Rom. Als 39 vor Christus Octavian, der spätere Kaiser Augustus, anlässlich seiner Barbatoria zu einem aus der Staatskasse bezahlten Volksfest lud, demonstrierte er nicht nur sein Erwachsen-sein, sondern auch seinen Machtanspruch. Auch heute ist die erste Rasur ein besonderer Anlass – und sie kann zu einem  besonderen  Gemeinschaftsmoment  zwischen  Vater und Sohn werden. Das, was der Sohn vom Vater über Rasur lernt, ist nämlich prägender als jede Werbung oder jeder Bart-Blog, wie eine von Mühle in Auftrag gegebene Studie ermittelt hat. Wie der Vater, so der Sohn.

J wie Juchtenleder

Stellen Sie sich eine klassische Rasurszene vor. Vor Ihrem inneren Auge sehen Sie jetzt vielleicht zunächst den Barbier, der das Rasiermesser mehrmals über einen Lederriemen streicht, bevor er sich dem sorgfältig eingeschäumten Kinn seines Kunden zuwendet. Das Reiben des Messers über den Abziehriemen richtet den feinen Grat der Klinge auf und gibt ihr die letzte Schärfe. Um diesen Zweck optimal zu erfüllen, muss das Leder, aus dem der Riemen besteht, bestimmte Qualitäten haben: Es muss geschmeidig sein, aber doch fest, die Oberfläche sollte ein kleines bisschen rau sein. Besonders gut
geeignet ist das so genannte Juchtenleder. Es stammt von Rindern oder Kälbern, die ihr Leben in sandigen Steppen verbringen. Ursprünglich kam es aus Russland, weshalb es auch „russisches Leder“ genannt wird. Die Haut der Tiere absorbiert im Laufe der Zeit immer mehr feine Staubpartikel und hat daher, zu Leder verarbeitet, die Qualität von sehr feinen Schmirgelpapier.

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