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State of the Bart

Barbershops sind sehr viel mehr als Friseure für den Mann. Sie sind Wellness-Oase, Treffpunkt, Rückzugsort. Zu Besuch bei Miguel Gutierrez, der als Nomad Barber in Berlin, London und auf YouTube erfolgreich ist 


Vormittags in Berlin-Kreuzberg. Miguel Gutierrez begrüßt seinen Besuch mit starkem britischen Akzent. Der Anfang 30-Jährige nimmt noch einen tiefen Zug an der Zigarette, bevor er hineinführt, vorbei an leuchtenden Schriftzügen, hinunter ins Untergeschoss, wo seine Berliner Kundschaft in Ledersesseln Platz nimmt. In der Barberszene kennt man Gutierrez als Nomad Barber, seit 14 Jahren schneidet er Haare, rasiert, pflegt. Neben seinem Berliner Barbershop betreibt er einen in London. Bekannt wurde Gutierrez 2012, als er auf Weltreise ging und auf YouTube seine Webserie "Nomad Barber" veröffentlichte. In kurzen Videos dokumentiert er darin das Handwerk unterschiedlicher Barbiere in unterschiedlichen Ländern.

Mr. Miguel Gutierrez, vor 14 Jahren, Sie waren damals 16, entschieden Sie sich, Barbier zu werden. Für diesen Schritt entscheidend soll ein Foto gewesen sein. Was hat es mit der Aufnahme auf sich?

Das Bild zeigt meinen Vater und dessen Bruder - die beiden waren Barbiere. Ich fand sie so smart, wie sie dastanden in ihren weißen Barbierkitteln vor ihrem Shop ...

Warum hat Sie das beeindruckt?

Der Freund meines Vaters hatte vier Geschäfte, das imponierte mir. Ich komme aus Liverpool, nicht aus der schlimmsten Ecke - auch nicht aus der besten. Hier läuft es so: Man wählt einen Job, den macht man sein Leben lang, über andere Optionen denkt man nicht nach. Der Freund meines Vaters aber war anders - jedes Mal, wenn ich ihn sah, kam er mit einem anderen Auto angefahren, war ständig im Urlaub, machte sein Ding.

Reizte Sie auch das Handwerk des Barbiers?

Ich fand es immer toll, zum Barbier zu gehen, die Atmosphäre gefiel mir. Aber es war vor allem die Vorstellung, ein eigenes Business aufzubauen, die mich reizte. Ich wollte Geschäftsmann sein, irgendwo Geld machen - schon als kleiner Junge habe ich meinen Mitschülern nach dem Schulessen Süßigkeiten verkauft.

Ihr Timing war exzellent: Das Barbiergeschäft boomt seit Jahren. Wann ahnten Sie erstmals, dass Sie Teil eines großen Trends werden können?

Spät. Im Gegensatz zu Deutschland gab es in Großbritannien immer Barbershops, wenn auch längst nicht so viele wie heute. Die Präsenz, die das Thema mittlerweile hat, konnte sich niemand vorstellen.

Heute findet man in fast jeder Stadt hippe Barbershops. Wie ist das eigentlich passiert?

Wie überall anders auch: Trends verbreiten sich rasend schnell über Social Media. Jemand betreibt einen coolen Barbershop in London und plötzlich gibt es einen Abklatsch davon in Liverpool, Manchester, Newcastle - mit dem gleichen Interieur, den gleichen Accessoires.

Ma?nner legen wieder mehr Wert auf gute Kleidung, leben ihre Eitelkeit, investieren in die Pflege ihrer Ba?rte. Hat die Verbreitung auch etwas damit zu tun?

Barbiere hatten sehr lange einen sehr schlechten Ruf. In Großbritannien wurden in den 1970ern und 1980ern lange Haare bei Männern modern. Sie ließen sie daher viel seltener schneiden. So wurde in den Barber Shops um jeden Kunden gekämpft, die Preise wurden gesenkt. Irgendwann kostete ein Haarschnitt nur noch drei Pfund anstatt 20. Die Barbiere mussten schnell sein, um überhaupt irgendwie Geld zu verdienen und die Qualität litt. Heute hat sich das wieder ins komplette Gegenteil verwandelt: Zum Barbier zu gehen, ist Wellness. Es gibt Getränke, eine Gesichtsmassage, Pflege - und das liegt natürlich auch daran, dass Männer ihre Eitelkeit wieder zelebrieren wollen und Orte dafür brauchen.

Sie haben zahlreiche Preise gewonnen, über 100.000 Follower auf Instagram, knapp 130.000 YouTube-Abonnenten, Shops in London und Berlin - und Sie haben Pläne: einen eigenen Webshop, eigene Pflegeprodukte. Wann haben Sie begriffen, dass Sie selbst zur Marke werden können?

Als ich das erste Mal auf Reisen war und mit meiner Webserie "Nomad Barber" anfing. Brands begannen mich zu kontaktieren, fragten, ob sie mit mir arbeiten können. Damals waren es kleine Projekte, zuletzt habe ich mit Audi und Visa kooperiert.

Ihre erste Reise dauerte ein Jahr. Sie waren auf fünf Kontinenten unterwegs, haben unzählige Barbiere getroffen und porträtiert. Was haben Sie gelernt?

Es ging mir nie um die Technik der anderen. Mir ging es um die Menschen, die Orte, ich wollte erfahren, wie die Leute leben, die denselben Beruf ausüben wie ich. Wie wird man Barbier in Indien? Was sind die Ziele der Menschen: Machen sie das, weil sie Karriere machen wollen? Online konnte ich zu alldem nichts finden, also habe ich selbst nach Antworten gesucht.

Welchen Status hat ein Barbier in Indien?

Die indische Gesellschaft ist vom Kastensystem geprägt, die Barbiere kommen von ganz unten. Meist waren die Väter schon Barbiere. Was mich faszinierte, war die Zufriedenheit der Männer. Sie waren glücklich. Obwohl die Menschen, die zu ihnen kommen, sie nicht gut behandeln, sondern in jeder Sekunde deutlich machen, wer das Sagen hat.

Wie ist es in der Türkei?

Pflege ist dort sehr wichtig, Barbiere sind respektiert. Dort sieht man keinen Mann mit langen Haaren. Die Bärte sind perfekt getrimmt. Immer läuft jemand mit Tee umher. Wir Barbiere benutzen die gleichen Werkzeuge, technisch gesehen sprechen wir eine Sprache. Der Rest ist komplett unterschiedlich. In Indien fangen die Leute mit 12 Jahren an zu arbeiten, weil sie müssen und in Großbritannien eventuell erst mit 40, weil sie sich selbst verwirklichen wollen.

Aus dem 30 Grad Magazin

Dieses Interview stammt aus unserem halbjährig erscheinenden Magazin "30 Grad".

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Online-Tutorials mit Miguel Gutierrez / Nomad Barber

In unserem Berliner Geschäft haben wir gemeinsam mit Miguel Gutierrez einige Tutorials gedreht:

How to clean a shaving brush

How to shave with a safety razor

How to shave with a straight razor

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